[Spielleiterschwächen] Regelkunde und Gutmütigkeit
Posted by Herr SeelachsJun 14
Positiv gewendet ist es meine Neugierde und meine eingebildete Gutmütigkeit, welche mich als Spielleiter bisweilen in Teufels Küche bringt. Negativ und vermutlich um einiges realistischer in Worte gefasst, muss ich mich meiner Fahrigkeit und mangelndem Gefühl für Spielbalance stellen.
Immer wieder ertappe ich mich dabei, neue Systeme, neue Elemente in alten Systemen oder einfach nur viel zu gewagte Charaktere auf meine Spieler loszulassen. Alles immer gleich ausprobieren wollen, nicht mit einem durchdachten Kompromiss zufrieden zu sein, sondern Extreme auszuspielen – das kann zum echten Problem werden. Schließlich übermannt mich die Neugierde oft genug dergestalt, dass ich Neues benutze, ohne mich ausreichend mit den Regeln, die dem neuen System, dem neuen Monster, dem neuen Puzzle-Element zugrunde liegen, auseinandergesetzt zu haben. Da Spieler aber meistens cleverer sind als ich, führt das in 99 von 100 Fällen dazu, dass das Geschehen ins Stocken gerät und man Minuten über Regelbüchern verbringt und damit das aufregende Neue von staubigen Büchern verschluckt wird.
Hier setzt auch meine damit eng verbundene zweite große Schwäche ein. Von all den Kleinigkeiten wollen wir ja schließlich gar nicht erst reden. Eine generelle Gutmütigkeit gegenüber den Spielern, die mein Kollege hier schon beschrieben hat. Der Wunsch den Spielern das Leben so einfach wie möglich zu machen und damit einhergehend die Dehnung der Regeln, bisweilen bis ins Unkenntliche. Dabei vergesse auch ich oft, dass ein gesunder Schwierigkeitsgrad den Spielspaß doch erhöht.
So kommt es zumeist zu folgender Situation: Nachdem mein neues Spielsystem in Regelkundediskussionen erstickt ist, beschließe ich durch eine großzügige Auslegung – oder im schlimmsten Fall Erfindung – der Regeln, das Geschehen wieder zum Laufen zu bringen. Allerdings führt das dann dazu, dass alles einfacher wird als erdacht und das Rollenspiel bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt weitergeführt wird. Die Spieler bekommen so weder einen guten Einblick in das neue System oder die Vielschichtigkeit meines neuen Gegenspielers noch werden sie wirklich gefordert. Womit wieder eine Möglichkeit eines mehr als nur gelungenen Abends verschenkt wurde.
Etwas mehr Vorbereitung und Härte bei den Regeln, etwas mehr Disziplin und Realismus beim Einhegen meiner Fantasie – das wünsche ich mir. Über Vorschläge zur Selbstdisziplinierung beim Vorbereiten würde ich mich freuen.
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