So weit ich das überblicke, gibt es beim Rollenspiel zwei grundlegend verschiedene Würfelmechaniken. Erstens diejenige, bei der man einen bestimmten Schwellwert über- bzw. unterwürfelt, um ein Ziel zu erreichen, üblich etwa bei D20 oder Savage Worlds. Zweitens diejenige, bei der man eine bestimme Anzahl Erfolge braucht, die man durch einen möglichst großen Würfelpool zu erreichen sucht. Ich will jetzt nicht behaupten, dass die erste Mechanik die Lösung aller Rollenspielprobleme ist. Man könnte beispielsweise behaupten, sie sei zu sehr abhängig vom Zufall. In jedem Fall aber verfügt diese Methode über eine gewisse Unmittelbarkeit. Jeder am Tisch weiß sofort, ob ein Wurf geschafft wurde oder nicht. Jeder kann sich relativ schnell seine Erfolgschancen ausrechnen.

Der Würfelpool verfügt über diese Unmittelbarkeit nicht. Ich kenne Würfelpoolsysteme bisher nur von Shadowrun und Warhammer 3 FRP. Vielleicht verhält es sich bei anderen Systemen unterschiedlich, aber in beiden Runden hatten sowohl ich als auch die Mitspieler – wir alle kannten die Systeme nicht sehr gut – große Probleme dabei, den Schwierigkeitsgrad einer Aktion zu bestimmen bzw. die eigene Erfolgswahrscheinlichkeit auszurechnen. Bei Shadowrun wird die Antizipation durch eine unglaubliche Fülle an möglichen Boni erschwert. Der Grund-Würfelpool wird (wenn ich mich richtig erinnere) durch Fertigkeit und Attribut bestimmt, kann aber durch eine Vielzahl von Implantaten und technischen Spielereien noch beträchtlich vergrößert werden. Das Problem dabei war, dass der Spielleiter bei der Bestimmung der zu erreichenden Erfolge kaum sämtliche dieser Modifikatoren im Auge behalten konnte – und somit ausgeglichene Begegnungen sehr schwierig hinzubekommen waren (“Halt, ich habe noch die +2 für meinen Laserpointer, +1 für eine Runde Zielen und +2 für Talent XY vergessen” – “Mann dieser Kampf ist ja leicht…”).

Bei Warhammer war die Abstraktheit der Würfel sogar noch krasser, da auf den Würfeln keine Zahlen, sondern nur Symbole stehen. Bei 5-6 unterschiedlichen Würfeltypen mit unterschiedlichen Symbolen kann man ebenfalls nur sehr sehr sehr schwer abschätzen, wozu der eigene Charakter überhaupt in der Lage ist. Obwohl ich davon ausgehe, dass sich dieser Zustand der Unwissenheit mit zunehmender Systemerfahrung bessert, kam bei mir unweigerlich die Frage auf: Wer braucht eigentlich einen Würfelpool?!