Es soll nicht nach Arroganz klingen: Als von meinen Mitautoren die Idee kam, unsere Spielleiterschwächen hier zu beschreiben, fiel mir zunächst keine ein. Das soll nicht heißen, dass ich mich für einen perfekten Spielleiter halte, im Gegenteil. Nur ist mir eben bis heute nicht die eine, dominante Inkompetenz eingefallen, die ich hier ausbreiten könnte.

Früher war das anders, und davon können meine Mitspieler aus der AD&D-Runde zu Schulzeiten ein Lied singen. Da war die wohl augenscheinlichste Schwäche meine Unfähigkeit, Herausforderungen angemessen einzuschätzen – kombiniert mit allgemeiner Unerfahrenheit im Erzählen und flexiblem Reagieren. Da kam es schon einmal vor, dass Charaktere ohne größeren Sinn für die Story versteinert oder umgebracht wurden.

Unvergessen, wie ein tapferer Krieger der Vergessenen Reiche in einer Spielsituation frei von Fairness an einem giftigen Moos starb. Immerhin war es ein Höhepunkt an mitreißender Schilderung: “Ich gucke mir das grüne Zeug mal an.” – “Mach mal einen Rettungswurf gegen Gift.” – “Nicht geschafft.” – “Du bist tot.” Welcher Held würde nicht gerne so glorreich enden? Unvergessen auch, wie zwei niedrigstufige Magier um ein Haar fiesem Ungeziefer zum Opfer gefallen wären, hätte nicht übelstes Würfeldrehen des Spielleiters sie (respektive ihn) aus der lebensgefährlichen (respektive peinlichen) Situation befreit.

Das sind Jugendsünden, die hoffentlich der Vergangenheit angehören. Heute verenden Charakter in meiner Runde nicht mehr gänzlich unmotiviert und ohne Bezug zur Abenteuerhandlung oder ihren Entscheidungen…

Was also ist meine “Spielleiterschwäche”? Aus meiner eigenen Sicht vielleicht schlicht und einfach Mittelmäßigkeit in allem, was das Spielleiterdasein ausmacht. Spielrunden kriege ich leidlich verwaltet, kann auch einigermaßen flexibel auf unerwartete Spielerentscheidungen reagieren. Ist die Abweichung vom erwarteten Weg zu groß, kann ich aber durchaus in Railroading oder stumpfes Abhandeln von Szenen verfallen. Auch schauspielerisch wird man von mir keine Glanzleistungen erwarten, allerdings klingt bei mir auch nicht jeder NSC völlig gleich. Stories erfinden liegt mir weniger, doch wenn ich Zeit habe, geht auch das und man kann ja auch sehr schön Kaufabenteuer verwursten. Regelkenntnis und -anwendung, gleichmäßige Einbindung der Spieler, Fairness – die Liste an Bereichen, in denen ich mir selbst ein Befriedigend geben würde, ließe sich beliebig verlängern.

Ist das schlimm? Ich denke nicht. Großartiges Spielleiten ist es freilich auch nicht. Relativierend muss ich sagen: Wir haben oft genug trotzdem Spaß. Es ist eben alles in allem “okayes” Rollenspiel. Soweit zumindest meine Eigenwahrnehmung. Aber vielleicht sind die Spieler, die mich in den letzten paar Jahren erlebt haben, ja ganz anderer Ansicht und sehen bei mir in dem einen Bereich erstaunliches Talent und in dem anderen grobe Unfähigkeit, wer weiß.